ERP: äußerlich stabil durch die Krise, aber hinter den Kulissen rumort es

Christian Hestermann, Research Director

Das mit so vielen Ängsten begonnene Jahr 2009 neigt sich dem Ende zu, aber zumindest im ERP-Bereich hat die Wirtschaftskrise keine sichtbaren größeren Spuren hinterlassen. Keiner der eingeführten Anbieter kam in bedrohliche Schieflage, wenn man von einigen kleineren Implementierungspartnern absieht. Genausowenig gab es größere oder gar spektuläre Übernahmen wie in den Vorjahren. Interessanterweise wurden auch keine großen Produktinitiativen vorgestellt.

Insgesamt sieht die Landschaft also so aus wie zwölf Monate zuvor. Einer der wichtigsten Gründe dafür ist die Abhängigkeit der meisten Unternehmen von ihren ERP-Lösungen, in die sie in den letzten Jahren Unmengen von Geld und Ressourcen investiert haben und für die sie erhebliche Summen an Wartungsgebühren an die Anbieter überweisen. Diese Wartungseinnahmen sind es denn auch, die den meisten Anbietern ein recht komfortables Überleben sichern. Diejenigen, die rechtzeitig reagiert haben, konnten sogar trotz teilweise deutlicher Einbrüche im Neugeschäft ihre Margen steigern.

Eben diese Wartungsgebühren haben auch für die größten Diskussionen gesorgt. Vor allem der Versuch des Marktführers SAP, im Lauf von wenigen Jahren auf die fast schon marktübliche Rate von 22% zu kommen, hat diesem eine anhaltend schlechte Presse beschert. Der “Wert der Wartung” steht bei immer mehr Kunden auf der Prüfliste, denn immerhin bezahlt man die Software etwa alle fünf Jahre ein weiteres Mal, obwohl sie nach den oft turbulenten Einführungsphasen meistens stabil und ohne größeren Support-Aufwand ihren Dienst verrichtet. Aus diesem Grund kämpft auch die SAP-Anwendergruppe in aller Öffentlichkeit darum, wenigstens einen messbaren Nutzen der Änderungen am Wartungsmodell festzuschreiben.

Der größte Wert, den die Anbieter regelmäßig beschreiben, liegt darin, daß Kunden das Recht bekommen, auf die jeweils neueste Version der Software anzuheben, ohne daß erneute Lizenzgebühren anfallen. Allerdings haben immer mehr Unternehmen immer größere Schwierigkeiten, den Wert einer Releaseanhebung klar und messbar zu ermitteln und nachzuweisen. Man kennt das auch aus dem eigenen Bereich: Wer braucht schon weitere Features in dem bevorzugten Textverarbeitungs- oder Email-Programm, wenn man von der bereits vorhandenen Funktionsfülle ohnehin nur einen kleinen Teil nutzt?

So scheint auch die Agenda des kommenden Jahres absehbar: Kontinuierliche Verbesserungen bei den meisten Herstellern, wenig Revolutionäres, und ein schwieriges Tagesgeschäft bei den Anwendern, die Stabilität und Kontinuität mit der stellenweise notwendigen Modernisierung in Einklang zu bringen.

In diesem Sinne wünsche ich: frohe Festtage, hoffentlich Gelegenheit zum Durchschnaufen, und dann mit frischer Kraft zurück an die alten Themen!


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