Generation Y verändert das Sourcing

April 16th, 2013 by tdietz

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Frank Ridder
Research VP, Gartner

Bis zum Jahr 2025 entstammen rund 75 Prozent der Mitarbeiter einer Organisation der so genannten „Generation Y“. Sourcing-Verantwortliche müssen diese Generation in ihrer Sourcing-Governance einbinden, um den Wandel im Beschaffungsverhalten von IT-Services zu berücksichtigen und das Alignment von Business und IT sicherzustellen.

Im Vorfeld des Gartner CIO & IT Executive Summit 2013, der vom 17. – 18. Juni in Frankfurt stattfindet, diskutiere ich die Frage, warum Sourcing-Verantwortliche jetzt beginnen sollten, die Generation Y in ihren Planungen zu berücksichtigen – Hintergründe sind unterschiedliche Verhaltensweisen und Anforderungen bezüglich Technologien und Services sowie ein anderer Arbeitsstil.

In meiner jüngsten Research Note mit dem Titel „Generation Y Will Reinvent Outsourcing“ komme ich zu der Einschätzung, dass die Generation Y bei der Suche nach neuen IT-Lösungen eher nach außen blickt. Um diese externen Lösungen zu nutzen, gehen Vertreter der Generation Y Risiken ein und statten externe Services beispielsweise aus der Cloud mit einem Vertrauensvorschuss aus. Hier liegt ein Wagnis für die Organisation; die Risiken müssen mit dem tatsächlichen geschäftlichen Nutzen wie höherer Geschwindigkeit und Flexibilität sowie den Anforderungen der Endnutzer abgewogen werden. Diese Balance aus geschäftlichen Gefahren und dem Nutzen sowie dem Bedarf der Anwender entwickelt sich immer mehr zum Erfolgsrezept für Sourcing-Organisationen. Es ist daher nötig, Erkenntnisse über die Generation Y in das eigene Governance-Modell einzubeziehen.

Die jungen Mitarbeiter, die in den 80er und 90er Jahren geboren wurden, verändern traditionelle Denkmuster in der IT. So betrachten sie die klassische Frage nach „Make-or-Buy“ aus der entgegengesetzten Richtung – speziell bei austauschbaren Services orientieren sie sich zuerst auf dem externen Markt, bevor sie die Eigenentwicklung ins Kalkül ziehen. Sourcing-Verantwortliche müssen heute ein strategisches Vorgehensmodell entwickeln, das einen reibungslosen Übergang sicherstellt und zugleich die Risiken minimiert.

Manager für Sourcing und Verträge sollten sich darüber bewusst sein, dass die Generation Y einen anderen Wertmaßstab hat und den Produkten externer Anbieter ein größeres Vertrauen entgegenbringt. Dabei unterscheidet sich der Bedarf an hochwertigen Services zu niedrigen Preisen nicht wesentlich vom heutigen Einkaufsverhalten – jedoch fordern die ungeduldigen Vertreter der Generation Y eine wesentlich höhere Geschwindigkeit, und die Kundenzufriedenheit wird zu einem entscheidenden Faktor für den Einkauf. Dies führt dazu, dass sich die Prüfungskriterien und die erhobenen Informationen im Rahmen eines Request for Proposal (RFP) verändern müssen. Anbieter können sich auf eine steigende Zahl von Interessenten einstellen, die Applikationen vor dem Kauf erst ausprobieren wollen.

Die Auswirkungen kommen nicht über Nacht, und Organisationen haben noch rund zwölf Jahre Zeit, bis 75 Prozent der Beschäftigten der Generation Y entstammen. Jedoch ist es für Unternehmen wichtig, die potenziellen Auswirkungen abschätzen zu können, um sich vorzubereiten, zu planen und eigene Initiativen rechtzeitig einzuleiten.

Auf dem Gartner CIO & IT Executive Summit 2013 vom 17. – 18. Juni in Frankfurt werde ich Themen wie Outsourcing an der Schnittstelle des „Nexus of Forces“ und andere Fragen diskutieren. Zudem präsentiere ich ein Vorschau-Webinar am 30. April. Sie können die Konferenz auch auf Twitter mit dem Hashtag #GartnerCIO folgen.

Resümee zum Mobile World Congress

March 4th, 2013 by tdietz

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Annette Zimmermann
Principal Research Analyst, Gartner

Neue Smartphone-Betriebssysteme, große Displays und nur wenige Überraschungen

Dieses Jahr schien der Mobile World Congress (MWC) vom 25. – 28. Februar in Barcelona schon eine Woche früher zu starten als bisher – wenn man sich die Produkt-Ankündigungen anschaut, die in der Woche vor dem eigentlichen Kongressbeginn durch die Presse liefen. Es gehört mittlerweile zur Normalität, dass neue Produkte schon vor der offiziellen Bekanntgabe „durchsickern“, doch dieses Mal schienen es die Hersteller sehr eilig zu haben, ihre Neuigkeiten in der Welt zu verbreiten – verbunden mit der Hoffnung, nicht in der großen Masse unterzugehen. Insgesamt rückten neue Hardware und Technologien wieder stärker in den Mittelpunkt im Vergleich zur CES in Las Vegas im Januar. Dort waren das Betriebssystem Android sowie Apps, die jedes Gerät – ob Kühlschrank oder Fernseher – erst zum Leben erwecken, die vorherrschenden Themen gewesen.

Der Trend bei den Herstellern, Smartphones mit immer größeren Displays zu präsentieren, setzte sich hingegen fort: ZTE, Huawei und Asus stellten jeweils Geräte vor, die Displays zwischen 5 und 7 Zoll aufwiesen. Bei Asus, die sowohl ein Produkt namens Padfone mit einer Diagonale von 4,3 Zoll präsentierten und gleichzeitig das neue Fonepad mit 7 Zoll auf dem MWC vorstellten, wird am deutlichsten, dass die Grenzen zwischen Smartphone und Tablet immer mehr verschwimmen. Allerdings wirkt dies auch recht verwirrend auf den Verbraucher. Und die viel wichtigere Frage lautet: Brauchen wir wirklich Smartphones, die vermeintlich überdimensionale Bildschirme haben? Wir wissen, dass es in einigen Märkten – vor allem im asiatischen Raum – Nachfrage nach solchen Produkten gibt. Auch in Deutschland hat vor allem das Galaxy Note von Samsung einige Abnehmer gefunden. Wir bei Gartner sind allerdings der Ansicht, dass diese Art von Geräten überwiegend ein Nischenmarkt bleiben wird.

Von großem Interesse waren dieses Jahr Smartphone-Betriebssysteme, die teilweise noch ganz am Anfang stehen und nicht zum Mainstream zählen: Sailfish OS, Ubuntu for Android, Firefox und webOS – richtig, webOS.

Das finnische Start-up Jolla stellte die Alpha-Version des SDK (Software Development Kit) für die Plattform vor, während Samsung ankündigte, dass das hauseigene Betriebssystem bada künftig der neuen Tizen-Plattform Platz machen wird. Tizen-basierende Smartphones werden in der zweiten Hälfte des Jahres erwartet.

Neben diesen Plattformen hat Firefox derzeit wohl das größte Potenzial, da während des Kongresses gleich mehrere Smartphones (unter anderem von ZTE Open und Alcatel One Touch Fire) vorgestellt wurden, die von verschiedenen großen Mobilfunk-Providern wie Telefonica, China Unicom und Deutsche Telekom weltweit vertrieben werden sollen. Die HTML5-basierende Plattform bietet den Nutzern die Möglichkeit, nicht nur über den geplanten „Firefox app marketplace“ Programme zu finden, sondern auch über jede Webseite, die für diese Plattform Programme zur Verfügung stellen will. Bekannte Namen wie Twitter sind unter den Programmen, die ihre Zusage für diese Plattform gegeben haben. Darunter finden sich auch ortsbezogene Dienste, die unter dem Namen HERE von Nokia bekannt sind. Die Firefox OS-Smartphones werden im mittleren bis unteren Preissegment angesiedelt sein. Dies soll sie für junge und auch kostenorientierte Nutzer (vornehmlich in Schwellenländern) attraktiv machen. Es bleibt jedoch noch abzuwarten, wie benutzerfreundlich die Plattform sein wird.

Bei LG kam webOS zur Sprache – mit einer Neuigkeit, die noch einige Fragen aufwirft: Wie schon letztes Jahr bekannt wurde, arbeitet der Hersteller an einer benutzerfreundlichen Oberfläche basierend auf webOS für seine TV-Geräte. Nun wurde bestätigt, dass der Hersteller Teile der Plattform von HP übernehmen wird. Die Frage, die wir uns dabei stellen, ist, welche Rolle webOS auch auf anderen LG-Geräten neben den Fernsehern spielen wird. Deutliche Aussagen wurden hierzu noch nicht getroffen.

So war der Mobile World Congress 2013 in technischer Hinsicht interessant, denn er zeigte viele neue Möglichkeiten der Branche auf. Einen Durchbruch – das nächste große Ding – hingegen suchte man in Barcelona vergebens.


Der BITKOM Trendkongress: Eine schöne Veranstaltung zum Jahresausklang!

December 10th, 2012 by tdietz

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Frank Ridder
Research VP, Gartner

Ende November, kurz vorm Jahresausklang, gab es noch eine schöne Doppelpremiere. Erstmals veranstaltete BITKOM einen Trendkongress – und erstmals haben Gartner und BITKOM dabei zusammengearbeitet. Im Kosmos in Berlin diskutierten Akteure aus Politik und Wirtschaft die vier Megatrends, die wir bei Gartner als “Nexus of Forces” bezeichnen:

Social: Hier steht die Interaktion von Menschen als Auslöser für zukünftige IT-Architekturen, Kollaborationstechnologien und Geschäftsmodelle im Mittelpunkt.

Mobile: Dieser Trend eliminiert Ort, Zeit und Plattform als Faktoren für die Fähigkeit zusammenzuarbeiten oder auf Dienste zuzugreifen.

Information: Die Diskussion um Daten und Informationen verlagert sich weg von purer Gewinnung und Struktur, hin zu Trendanalyse und Mustererkennung.

Cloud: Die Veränderung dieses wichtigen Themas weg von der Technologie und hin zu Resultaten und Benutzerorientierung.

Diese Trends wurden in vier verschiedenen Panels (gefüttert von einem live Twitter-Kanal #BTK12) rege diskutiert. Laut BITKOM verfolgten ca. 4000 Onlinenutzer den Kongress im Livestream. In Summe war der Tag eine runde und erfolgreiche Sache – das fördert die Vorfreude auf den Herbst 2013, denn dann ist der nächste BITKOM Trendkongress geplant.


Vernetztes Wohnen: Innovationen für Seniorendienste

October 16th, 2012 by tdietz

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Bettina Tratz-Ryan
Research VP, Gartner

Das Internet macht’s möglich: vernetzte Geräte zuhause und unterwegs sorgen dafür, dass wir zukünftig altersgerecht unseren goldenen Lebensabend in unserer gewohnten Umgebung verbringen können.

Ermöglicht wird dies durch die Innovationen des „Internet der Dinge“ (Internet of Things – IOT), in denen nicht nur Menschen, sondern auch Maschinen (M2M) miteinander kommunizieren. Das Internet verbindet Geräte, Sensoren und Smartphones automatisch über Nahfeld-Kommunikation (NFC), Bluetooth oder drahtlose Netzwerke mit Dienstleistungsanbietern oder mit Applikationen, die elektronische Gesundheits- und Seniorendienste anbieten können. Die Familie der intelligent vernetzten Geräte wächst dabei ständig. Während wir durch Fahrzeug-Telematik schon heute frühzeitig auf Verkehrsstörungen und Wagenschäden aufmerksam gemacht werden, ist der Fahrer von morgen mit Textilsensoren in Sitzen und Lenkrad verbunden, die seine Fahrtüchtigkeit und seinen Gesundheitszustand überwachen können.

Senioren- und Gesundheitsdienste, die sich für intelligente Städteplanung eignen, sind laut dem aktuellen Gartner Hype Cycle für Smart Cities schon über den Höhepunkt des Medienrummels geklettert. Die Potentiale und Anforderungen an Steuerung und Überwachung beziehen sich nicht nur auf den Sicherheitsgrad des Netzes und der Dienste, sondern auch auf die Authentifizierung der Servicebetreiber und Datenkollektoren. Alle Interessenvertreter der Wertschöpfungskette (Patient, Arzt, Krankenschwester, Spezialist, Apotheker, Pflegedienst) müssen sich hier mit dem Datenschutz beschäftigen, wenn sie langfristig Informationen gezielt mit Dienstleistern für neue Anwendungen austauschen wollen. Die Politik ist hier gefragt, neue Szenarien zu beleuchten, die diesen Austausch der Datensätze unter bestimmten Voraussetzungen für integrierte Bereiche im Heimgesundheitswesen ermöglichen.

Standardisierung ist ein weiteres Problem. Die Bundesministerien für Bildung und Forschung sowie für Wirtschaft und Technologie unterstützen Entwicklungen von Standards und Schnittstellen, damit in der Zukunft auch kontaktlose Module und Sensoren, wie z.B. Armbänder mit Sturzalarm, biometrische Spiegel oder GPS-gesteuerte Wegweiser Informationen über das Internet koordiniert verbreiten können. Die Interaktivität dieser Module, die autonom im Hintergrund arbeiten und daher keine aufwendige Betätigung brauchen, sind gerade für den Gesundheits- und Seniorenbereich gut geeignet, um Verhalten zu registrieren und – wenn sie außerhalb der Norm liegen – korrigierende Maßnahmen auszulösen. Sie sind auch intelligent genug, Werte in der Vergangenheit mit Ist-Werten zu vergleichen, um Kettenreaktionen auszulösen. Dabei ist die Diskussion über die Persönlichkeitsrechte, die ethischen Aspekten und die Privatsphäre natürlich immer im Vordergrund zu sehen.

Für deutsche Städte ist es an der Zeit, die rechtlichen Gegebenheiten für die Bereitstellung von intelligenten und integrierten Dienste für Bürger und Wirtschaft einzufordern. Smart Cities haben die Gesundheits- und Seniorendienste bereits als Teil ihrer Wertschöpfung für das Gesundheitswesen ausgemacht. Die Geräte dazu sind bereits vorhanden, das Netz auch. Was übrig bleibt, ist nun die Zusammenführung dieser Elemente zu einem Angebot. Und ob wir dies letztendlich „Ambientes Leben Zuhause“, Seniorendienst, e-Gesundheit oder die Beibehaltung der Lebensqualität in den eigenen 4 Wänden nennen, bleibt dann dem überlassen, der diese Leistung in Anspruch nimmt. Wir wären dann soweit.


IT Security: Die Kräfte, die wir riefen

October 1st, 2012 by tdietz

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Carsten Casper
Research VP, Gartner

Am 19. & 20. September fand wie jedes Jahr um diese Zeit der Gartner Security & Risk Summit in London statt. Und wie immer kam die Frage hoch: Was sind die Trends, die sich im Bereich Informationssicherheit für das nächste Jahr abzeichnen? Dort konnte man dann über zunehmend gezielte Angriffe resümieren, über Advanced Persistent Threats philosophieren oder anmahnen, dass viele alteingesessene Sicherheitstechnologien wie Firewalls und Virenschutz in den operativen Betrieb übergehen müssen, damit die Sicherheitsspezialisten den Kopf frei haben für neue Bedrohungen.

Das alles befriedigt nicht wirklich. Denn die wahren Herausforderungen liegen ganz woanders. Der Chief Information Security Officer muss heutzutage nicht einfach nur Netze und Systeme absichern, sondern alle Geschäftsbereiche dabei unterstützen, neue Technologien sicher zu implementieren, um neue Märkte und neue Geschäftsmodelle zu erschließen. Was aber ist die herausragende neue Informationstechnologie?

Da wäre natürlich die Cloud zu nennen, in allen ihren schillernden Farben – private und öffentliche Cloud, Virtualisierung und alles was dazu gehört, insbesondere Supply Chain- und Compliance-Risiken. Nichts Neues, aber immer noch eine Herausforderung, vor allem in Deutschland, wo der Anspruch zu bestehen scheint: was ich nicht anfassen (sprich auditieren) kann, lässt sich auch nicht kontrollieren. Aber das Thema Cloud steht nicht alleine da. Mobile Computing ist ebenfalls in aller Munde, auch und vor allem natürlich aus Sicht der IT-Sicherheit. Sensible Daten auf extrem mobile Geräten, Zugriff von überall auf alles, und allerorten das Gefühl, der IT gleiten die Zügel aus der Hand gegenüber dem Anwender, der nicht selten in der Management-Ebene sitzt.

Zum wirklichen Treiber für neue Geschäftsideen aber entwickeln sich alle Formen von Social Media. Ob es um neue Vertriebskanäle geht oder neue Märkte, neue Eco-Systeme oder neues Marketing – sie alle machen sich ein verändertes Verhältnis des Einzelnen zur Gemeinschaft zu Nutze, IT-gestützt natürlich. Je größer der Multiplikator-Effekt des sozialen Netzes, desto größer das Missbrauchspotential, der Einfluss auf die Privatsphäre, die politische Aufmerksamkeit und der Schaden, wenn Daten in die falschen Hände kommen. Mit alledem geht aber auch einher, dass noch mehr Informationen verarbeitet werden. Mehr Kundenkontakte, mehr Geräte, mehr Transaktionen. Und Herr der Lage ist nur, wer die Werkzeuge besitzt, um aus dieser Flut meist unstrukturierter Daten auch einen Sinn herauszulesen, sie zu analysieren und als Entscheidungsvorlage aufzubereiten.

Mit anderen Worten: den einen großen IT-Trend des Jahres gibt es nicht, und folglich auch keinen IT-Sicherheitstrend, denn Sicherheit soll ja nie einem Selbstzweck dienen, sondern sich immer an IT- und Geschäftsprozessen orientieren. Dominierend ist keines dieser vier großen Themen – Cloud, Mobile, Social und Information, häufig auch Big Data genannt – alle beeinflussen sich gegenseitig. Und so hat Gartner dieses Quadrupel „Nexus of Forces“ getauft. Dabei handelt es sich um Kräfte, die im Verbund massiv auf alle Unternehmen einwirken und den IT-Abteilungen die Kontrolle zu entreißen drohen. Eine Kontrolle, die Unternehmen nun mühsam wieder zurück erlangen müssen.


Das iPhone 5 ist da… na und?

September 17th, 2012 by tdietz

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Hanns Köhler-Krüner
Research Director, Gartner

Vor einigen Tagen wurde das iPhone 5 vorgestellt. In einer Welle von Gerüchten und möglichen Funktionen, Größen, Farben und Eigenschaften stellte sich heraus, dass doch die halbe Welt zugeschaut und darauf gewartet hat. Nächstes Wochenende sollen bis zu 10 Millionen Geräte verkauft werden, bei einem Preis von Durchschnittlich 500 Euro sind das knapp 5 Milliarden Euro Umsatz – an einem einzigen Wochenende… mit einem Telefon.

Kollegen setzen sich mit der Analyse des Smartphones auseinander und dem Einfluss auf die Positionen von HTC, Samsung und anderen Marken im Markt. Mich hingegen interessiert vor allem der Einfluss auf mein Fachgebiet, nämlich Enterprise Content Management, also das unternehmensweite Verwalten von Inhalten. Seit einigen Jahren steigt die Bedeutung von Mobile, und auch dieses neue iPhone mit einem etwas größeren Bildschirm wird die Hersteller von mobilen Clients vor neue Herausforderungen stellen.

Aber auch IT-Abteilungen werden diesem Gerät Rechenschaft tragen müssen. In den nächsten zwei Jahren erwarten wir, dass bis zu 60% aller Knowledge Worker-Inhalte auf einem mobilen Gerät aufgerufen werden. Dieser Tatsache müssen wir heute schon Rechnung tragen, nicht nur bei den Benutzeroberflächen, sondern auch bei den Inhalten selber. Wie sieht ein Dokument, ein Formular, eine Eingabemaske aus, wie bringen wir Metadaten und Index-Daten sinnvoll unter, wie greifen wir auch unterwegs sinnvoll auf Daten zu, vor allem wenn Inhalte in hybriden Systemen in der Cloud und in den eigenen IT-Architekturen stecken… und nicht zuletzt die Fragen zu Sicherheit und Compliance. Der nächste Schritt wird die Erstellung von Inhalten sein, direkt am Endgerät, immer komplizierter und in Prozesse eingebunden. Aber dieser Aufgabe stellen wir uns das nächste Mal.

Und deshalb ist der Launch und der Erfolg des iPhone so wichtig für alle Branchen, in denen Inhalte konsumiert und immer öfter auch erstellt werden. Dort finden sich die wirklichen Revolutionen in der Verwaltung von Innovationen – nicht in einem Smartphone eines Herstellers.


Es ist Hochsaison bei den Sourcing-Analysten!

September 3rd, 2012 by tdietz

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Frank Ridder
Research VP, Gartner

Hochsaison für Gartner Analysten im Bereich IT-Services Sourcing: Das US Outsourcing Summit im September, das Europäische Outsourcing Summit im Oktober und die Gartner Symposien im Herbst stehen vor der Tür. Da heißt es mal wieder, auf die Sourcing-Trends zu schauen, um interessante Präsentationen für diese Veranstaltungen zusammenzustellen.

Für CIOs und strategische Einkäufer stehen in diesem Jahr wieder vier Sourcing-Themenbereiche im Fokus: 

Wie lagere ich erfolgreich aus?  Outsourcing ist keine neue Disziplin. Aber die wachsende IT-Komplexität stellt Unternehmen immer wieder vor neue Herausforderungen. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum in der Selbsteinschätzungsstudie, die Gartner jährlich durchführt, die Anzahl der Unternehmen sinkt, die sich als Outsourcing-„Master“ bezeichnen (2007 – 2011: 10%, 5%, 10%, 9%, 6%). 

Wie sieht der Outsourcing-Markt aus?  Wer sind die führenden Anbieter? Wohin geht die Reise langfristig? Wie sicher und wertbringend ist die Cloud? Was bringt die Zukunft in Offshore-Projekten? Diese Fragen bekommen wir Gartner Analysten immer wieder gestellt. Der Marktplatz ist sehr dynamisch und gewinnt sogar noch an Fahrt. Deswegen ist es wichtiger denn je, seine Sourcing-Strategie permanent zu überprüfen. 

Was sind die neuen Trends?  In diesem Themenbereich geht es um die Frage, welchen Einfluss allgemeine IT-Trends auf die Sourcing-Welt haben. Beispiele sind etwa, inwieweit die Generation Y die Sourcing-Welt verändert oder wie Dienstleistungs-Avatare und die immer IT-affineren Benutzer die Transformation von Helpdesks vorantreiben. Zudem diskutieren wir die Nach-Cloud Ära und analysieren, ob Big Data für Outsourcing lediglich ein bisschen „mehr vom Gleichen“ bedeutet. 

Wie kann man Dienstleister effektiv managen?  Dieser Themenbereich gewinnt zunehmend an Interesse. Die Cloud bringt mehr und mehr Anbieter in die IT-Wertschöpfungskette von Unternehmen (zweistellige Zuwachsrate im Jahr 2012). Das ist nicht immer einfach zu managen, und Service-Integration sowie Wertmanagement werden kritische Bereiche in der IT und im Sourcing. 

Benjamin Disraeli sagte: „Das Geheimnis des Erfolges liegt darin, für die Gelegenheit bereit zu sein, wenn sie kommt.“ In diesem Sinne… „CU there :-) “.


Wie teste ich eigentlich ein SaaS-ERP-System?

August 21st, 2012 by tdietz

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Christian Hestermann
Research Director, Gartner

Eine der vielen Wundergeschichten rund um Software-as-a-Service (SaaS)-ERP-Systeme geht so: Abonnieren, einloggen und benutzen; und im Hintergrund wird das System permanent weiterentwickelt, so daß ständig die neuesten Features bereitstehen, ohne daß man sich um zeitraubende Upgrades oder ähnliches kümmern muß.

Zu schön, um wahr zu sein? In der Tat. Im Unterschied zu einfachen Anwendungen wie E-Mail oder auch Textverarbeitung sind Fehlfunktionen in ERP-Systemen erstens schwerer zu entdecken und können zweitens einen größeren Schaden anrichten. Das Entdecken ist im Falle eines SaaS-Systems noch weitaus schwieriger: Bei einem im Hause betriebenen (oder dediziert gehosteten) System haben die Verantwortlichen üblicherweise eine klare Vorstellungen davon, was wann an dem System geändert wird. Tests können entsprechend gezielt vorbereitet und durchgeführt werden. Bei einem SaaS-System dagegen werden die Änderungen vom Anbieter eingepflegt, und bei „multi-tenant“-Systemen kommen auf einen Schlag viele Anwender in den Genuß der Änderungen. Naturgemäß sind in einem Update eine Menge Änderungen enthalten, die für das einzelne Unternehmen nicht relevant sind, aber trotzdem eventuell Auswirkungen haben. Ohne die volle Kontrolle darüber, was wie geändert wurde, müßte man eigentlich das gesamte System (oder zumindest alle geschäftskritischen Bereiche) bei jedem Update komplett durchtesten. Im Rahmen größerer Upgrade-Projekte, die nur alle paar Jahre durchgeführt werden, ist das schon schwierig genug; aber wie soll man den Aufwand bei mehrfach pro Jahr vorgenommenen Updates stemmen? Die Anbieter selbst testen natürlich auch; aber vor Vertragsabschluß und während des laufenden Betriebs sollten sich die Anwender fortlaufend über die durchgeführten Tests informieren lassen.

Es mag noch so schwierig sein, aber es führt kein Weg daran vorbei: Jedes Anwenderunternehmen sollte einen möglichst vollständigen Satz von Testdaten und automatisch durchführbaren Testroutinen vorrätig haben, die bei Bedarf auf einem von vielen Anbietern zur Verfügung gestellten Testsystem ausgeführt und überprüft werden müssen. Um diese Tests aktuell und korrekt zu halten, muß man die Informationen über alle vorgenommenen Änderungen sehr sorgfältig durcharbeiten, auch wenn man selbst gar keinen Nutzen von einzelnen Anpassungen hat. Dieser Aufwand ist beträchtlich und hat einen oft vernachlässigten Einfluß auf die Kosten- und Wirtschaftlichkeitsrechnung eines SaaS-ERP-Systems.

Andernfalls ist man komplett auf die Qualitätssicherung des Anbieters angewiesen. Wer schon einmal mit einem ernsten Software-Fehler (vulgo: „Bug“) gekämpft hat, wird sich zweimal überlegen, ob das tatsächlich eine brillante Idee ist.


Smarte Städte im Olympiafieber – Gold für London?

August 6th, 2012 by tdietz

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Bettina Tratz-Ryan
Research VP, Gartner

Während unsere Athleten bei den Olympischen Spielen in London um Edelmetalle ringen, fragen wir uns, ob die nachhaltige Ausrichtung der Spiele auch erfolgreich war. In der Vorbereitung der Abläufe der Wettkämpfe wie auch des Besucheransturms wurden im Vorfeld große Anstrengungen unternommen, um die Koordination nicht nur effizient, sondern auch nachhaltig zu gestalten. Geleitet wurde dies vom London Organising Committee of the Olympic and Paralympic Games (LOCOG) in Zusammenarbeit mit der Stadt und öffentlichen Institutionen. Das Nadelöhr der Verkehrsleitung – mit dem Ausbau der neuen „East London Line“ für fast eine Milliarde Euro sowie dem Ausbau des Ostteils der Stadt – ist eine der großen Herausforderungen, die London gut gemeistert hat. Mit Hilfe von IT-gesteuerten Kommunikations- und Managementsystemen können Verkehrsabläufe in Abhängigkeit vom Volumen in Echtzeit gelenkt werden, um Luftbelastung und Verschmutzung zu reduzieren. Zur olympischen Halbzeit ist laut Medien das große Verkehrschaos ausgeblieben – viele Londoner benutzen die öffentlichen Verkehrsmittel oder bleiben der Stadt fern. Auch die Umweltkriterien werden eingehalten.

Dabei stellt sich automatisch die Frage, wie der Erfolg eines nachhaltigen und intelligenten Städteausbaus langfristig gemessen werden kann. In den meisten Fällen wird der Umbau zu einer „smarten“ und integrierten Stadt von großen Ereignissen angestoßen (siehe „Predicts 2012: Embryonic Smart City Processes Point to Opportunities“), mit langfristigen Zeithorizont. Ein Beispiel für eine Stadt mit ganzheitlichem Ansatz ist New York, deren Bürgermeister Bloomberg am 3. August 2012 die ersten Ergebnisse seines nachhaltigen Stadtplans PlaNYC vorgestellt hat (siehe Pressemeldung). Die Vergleichsdaten im Bereich Energie-Effizienzen belegen, dass eine energieeffiziente Sanierung großer Gebäude einen positiven Effekt zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen (THG) einer Stadt mit sich bringt. Vor allem in Großstädten stellt die Umsetzung derartiger Pläne aber auch eine Herausforderung dar. In Frankfurt wird erfolgreich ein Passivhausbau auch für Hochhäuser, Wohneinheiten und Schulen (siehe „Infopaket Passivhäuser“ auf Frankfurt.de) praktiziert und von der Stadt gefördert. T-City Friedrichshafen (siehe „Deutsche Telekom Delivers Intelligent City Services“) hat Smart Homes mit Energieversorgung und erneuerbaren Energien sowie einem Smart Grid kombiniert. Wichtig für die Ausführung dieser Pläne ist, dass eine Führungsstelle die Koordination der intelligenten und nachhaltigen Projekte und Prozesse übernimmt, um so auch eine einheitliche Ermittlung und Darstellung der Messdaten der Umwelteinflüsse zu gewinnen. Auch hier sind IT-Systeme gefragt, die solche Daten und Informationen auch im Sinne der Bürger und Geschäftswelt auswerten können und für Interessierte über Internet-Portale zugänglich machen.

Besonders interessant ist, dass sich viele Städte in verschiedenen Organisationen wie Covenant of Mayors oder C40 zusammen-schließen, um ihre Erfahrungen in der Planung oder Durchführung des intelligenten Städteausbaus auszutauschen. Neu ist zudem, dass es neben diesem Austausch einen „inoffiziellen“ Wettbewerb um die erfolgreichste Ausführung derartiger Pläne gibt. Noch kann man keine Medaille vergeben, aber Städte wie London, Frankfurt, Hamburg oder New York haben sich sicherlich qualifiziert.


„Higgs-Boson“ und die IT

July 5th, 2012 by tdietz

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Hanns Köhler-Krüner
Research Director, Gartner

Am 4. Juli hat die Ankündigung eines neuen Teilchens die Physikwelt in helle Aufregung versetzt. Das sogenannte Higgs-Boson wird bereits seit Mitte des letzten Jahrhunderts vermutet, und seitdem wird versucht, es nachzuweisen. Sollten sich die Ankündigungen bewahrheiten, dann wird sich das Teilchen genau dort in das Standardmodell der Elementarteilchenphysik einordnen, wo es vermutet wurde. Bisher gab es eben nur diese Vermutungen, und jetzt sollen die Beweise erbracht werden.

Ob es wirklich so ist, wie die Theorie bislang angenommen hat, oder es sich in der Praxis etwas anderes ergibt, wird in den einschlägigen Foren schon heftig diskutiert – und die Diskussion wird nach den entsprechenden Ankündigungen mit Sicherheit noch eine Weile weitergeführt werden. Spannend ist, dass dabei die Theorie schon seit Jahrzehnten sagt, dass es dieses Higgs-Teilchen geben soll, doch Versuche es bisher noch nicht nachweisen konnten.

Dies ist mit Sicherheit eine Sensation für die Physik, dennoch wird es wohl kaum die Welt grundsätzlich aus Ihren Angeln heben oder weitreichende Folgen für unseren Alltag haben. Ähnlich geht es oft in der IT-Technologie zu. Immer wieder werden neue Technologien entwickelt, ausprobiert und dann auf die Welt losgelassen, ohne jedoch einen ersichtlichen geschäftlichen Wert in sich zu tragen.

Immer wieder wird gefragt, welche neueste Technologie denn zu installieren sei. Was in diesen Fragen fehlt, ist jede gesunde Einstellung zum Verwendungszweck oder dem wirtschaftlichen Nutzen. Forschung und Innovation sind wichtige Grundlagen zur Weiterentwicklung, aber die Verwendung der neuesten Technologien in einem geschäftlichen Umfeld muss auch mit einem Ziel verbunden sein. Ein Ziel, das dem Unternehmen hilft, die eigene Position zu stärken.

Deshalb ist es wichtig, sich vorher Gedanken zu unternehmerischen Zielen und Vorstellungen zu machen, einen Plan festzulegen und erst danach zu schauen, welche Technologie diese Pläne unterstützen kann. Auch hierbei gilt immer wieder, flexibel zu sein, die eigenen Methoden und Ziele zu überprüfen und manchmal auch kleinere Umwege in Kauf zu nehmen, aber das Ziel muss vor der Technologie stehen. Das gleiche gilt natürlich auch bei der Entwicklung von neuen Technologien. Auch hier ist es wichtig, den Blick über den Tellerrand zu wagen und zu schauen, wofür man diese denn einsetzen könnte.

Bei Higgs’ Teilchen war es nicht anders. Das Ziel stand vor Augen, und es musste nur noch herausgefunden werden, wie man es nachweisen und dann beweisen kann. 40 Jahre hat man geforscht und gesucht, und nun ist es so weit… fast, denn ein Paar Beweise fehlen noch.

Unternehmen, die auf die neueste Technologie setzen, sollten sich vorher gut überlegen, welche Pläne Sie verfolgen, welche Möglichkeiten sie haben und welches „Teilchen“ in ihrem Modell noch fehlt, um ihr Bild komplett zu machen. Dann steht auch die IT einer Weiterentwicklung nicht im Wege, sondern unterstützt diese aktiv und innovativ.