
Frank Ridder
Research VP, Gartner
Bis zum Jahr 2025 entstammen rund 75 Prozent der Mitarbeiter einer Organisation der so genannten „Generation Y“. Sourcing-Verantwortliche müssen diese Generation in ihrer Sourcing-Governance einbinden, um den Wandel im Beschaffungsverhalten von IT-Services zu berücksichtigen und das Alignment von Business und IT sicherzustellen.
Im Vorfeld des Gartner CIO & IT Executive Summit 2013, der vom 17. – 18. Juni in Frankfurt stattfindet, diskutiere ich die Frage, warum Sourcing-Verantwortliche jetzt beginnen sollten, die Generation Y in ihren Planungen zu berücksichtigen – Hintergründe sind unterschiedliche Verhaltensweisen und Anforderungen bezüglich Technologien und Services sowie ein anderer Arbeitsstil.
In meiner jüngsten Research Note mit dem Titel „Generation Y Will Reinvent Outsourcing“ komme ich zu der Einschätzung, dass die Generation Y bei der Suche nach neuen IT-Lösungen eher nach außen blickt. Um diese externen Lösungen zu nutzen, gehen Vertreter der Generation Y Risiken ein und statten externe Services beispielsweise aus der Cloud mit einem Vertrauensvorschuss aus. Hier liegt ein Wagnis für die Organisation; die Risiken müssen mit dem tatsächlichen geschäftlichen Nutzen wie höherer Geschwindigkeit und Flexibilität sowie den Anforderungen der Endnutzer abgewogen werden. Diese Balance aus geschäftlichen Gefahren und dem Nutzen sowie dem Bedarf der Anwender entwickelt sich immer mehr zum Erfolgsrezept für Sourcing-Organisationen. Es ist daher nötig, Erkenntnisse über die Generation Y in das eigene Governance-Modell einzubeziehen.
Die jungen Mitarbeiter, die in den 80er und 90er Jahren geboren wurden, verändern traditionelle Denkmuster in der IT. So betrachten sie die klassische Frage nach „Make-or-Buy“ aus der entgegengesetzten Richtung – speziell bei austauschbaren Services orientieren sie sich zuerst auf dem externen Markt, bevor sie die Eigenentwicklung ins Kalkül ziehen. Sourcing-Verantwortliche müssen heute ein strategisches Vorgehensmodell entwickeln, das einen reibungslosen Übergang sicherstellt und zugleich die Risiken minimiert.
Manager für Sourcing und Verträge sollten sich darüber bewusst sein, dass die Generation Y einen anderen Wertmaßstab hat und den Produkten externer Anbieter ein größeres Vertrauen entgegenbringt. Dabei unterscheidet sich der Bedarf an hochwertigen Services zu niedrigen Preisen nicht wesentlich vom heutigen Einkaufsverhalten – jedoch fordern die ungeduldigen Vertreter der Generation Y eine wesentlich höhere Geschwindigkeit, und die Kundenzufriedenheit wird zu einem entscheidenden Faktor für den Einkauf. Dies führt dazu, dass sich die Prüfungskriterien und die erhobenen Informationen im Rahmen eines Request for Proposal (RFP) verändern müssen. Anbieter können sich auf eine steigende Zahl von Interessenten einstellen, die Applikationen vor dem Kauf erst ausprobieren wollen.
Die Auswirkungen kommen nicht über Nacht, und Organisationen haben noch rund zwölf Jahre Zeit, bis 75 Prozent der Beschäftigten der Generation Y entstammen. Jedoch ist es für Unternehmen wichtig, die potenziellen Auswirkungen abschätzen zu können, um sich vorzubereiten, zu planen und eigene Initiativen rechtzeitig einzuleiten.
| Auf dem Gartner CIO & IT Executive Summit 2013 vom 17. – 18. Juni in Frankfurt werde ich Themen wie Outsourcing an der Schnittstelle des „Nexus of Forces“ und andere Fragen diskutieren. Zudem präsentiere ich ein Vorschau-Webinar am 30. April. Sie können die Konferenz auch auf Twitter mit dem Hashtag #GartnerCIO folgen. |




